«Ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Es gibt so viele Nummern, so viele Angebote. Ich war so erschöpft, dass ich nicht einmal googeln konnte. Was ich gebraucht hätte, war eine einfache Liste.»
— Elternteil, 58 Jahre (anonymisiert)
Lesezeit: ca. 6 Minuten · oder nur die Kurzfassung
Diese Seite soll den nächsten Schritt erleichtern, nicht noch mehr Optionen aufladen. Zuerst kommt, was bei akuter Sorge zählt. Danach folgt, was heute, in den nächsten Tagen oder später sinnvoll ist, auch dann, wenn die betroffene Person keine Hilfe will und Sie zuerst für sich selbst Orientierung brauchen.
In 30 Sekunden — das Wichtigste
- Bei akuter Gefahr: 144 (Sanität), 117 (Polizei). Ärztlicher Notfalldienst im Kanton Zürich: 0800 33 66 55.
- Wenn es nicht akut ist, aber Sie heute handeln müssen: Holen Sie zuerst telefonische Orientierung, statt sich weiter allein durch Angebote zu kämpfen.
- Die PUK Zürich bietet kostenlose Angehörigenberatung. Sie dürfen auch ohne Einverständnis der betroffenen Person anrufen.
- Für Betroffene sind Hausarzt, psychiatrische Ambulanz oder Therapeutensuche oft der sinnvollste erste Weg.
- Wenn die betroffene Person keine Hilfe will, können Sie trotzdem handeln: Beobachtungen sammeln, Beratung holen, Kinder schützen, nächste Schritte klären.
Wer braucht gerade am meisten Hilfe?
Zwei Wege — beide sind richtig. Folgen Sie dem, was Ihrer Lage am nächsten kommt.
→ Mein Angehöriger braucht Hilfe
Psychiatrischer Notfalldienst:
0800 33 66 55 (Kanton Zürich)
Dargebotene Hand 143 — Sie können für sich selbst anrufen.
→ Ich selbst brauche Unterstützung
Angehörigenberatung PUK:
058 384 20 00 — kostenlos, ohne Einverständnis
Pro Mente Sana: 0848 800 858
oder 143 Dargebotene Hand
Leselogik dieser Seite
Jetzt
Akute Krise, Handlungsdruck, keine Hilfe gewollt, Hilfe für Angehörige.
Bald
Hilfe für Betroffene, Speziallagen, Kosten und Krankenkasse.
Später / optional
Materialien, PDFs und die Datenvisualisierung am Ende. Diese Teile können warten, wenn Sie Ihren nächsten Schritt schon kennen.
Akute Krise
Bei akuter Krise — sofort handeln:
- Nicht allein lassen. Bleiben Sie bei der Person oder sorgen Sie dafür, dass jemand bei ihr ist.
- Professionelle Hilfe rufen. 144 (Sanität) oder psychiatrischen Notfalldienst kontaktieren — Sie müssen die Situation nicht allein klären.
- Gefährliche Mittel sichern. Medikamente, scharfe Gegenstände und andere Mittel aus dem direkten Zugriff entfernen.
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Ärztefon — Ärztlicher Notfalldienst Kanton Zürich 24h, kostenlos, für psychiatrische Krisen 0800 33 66 55
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Institut Kinderseele Schweiz (iks) Informationen, psychoedukative Kurzfilme und E-Beratung für Kinder und Jugendliche mit psychisch belasteten Eltern kinderseele.ch
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Kinder psychisch belasteter Eltern — PUK Zürich Beratung und Unterstützung für betroffene Familien 058 384 66 66 (PUK Kinder & Jugendliche)
Nicht akut, aber mit Handlungsdruck
Viele Situationen sind nicht lebensbedrohlich, fühlen sich aber trotzdem drängend an: Sie machen sich grosse Sorgen, Ihr Angehöriger lehnt Hilfe ab, oder Sie wissen schlicht nicht, wo Sie beginnen sollen. Dann geht es nicht um die perfekte Lösung, sondern um einen ersten realistischen Schritt, der wieder etwas Ordnung in die Lage bringt.
Orientierung nach Zeithorizont
Heute
Rufen Sie eine Stelle an, die mit psychischen Krisen vertraut ist. Schildern Sie knapp, was Sie beobachten: Rückzug, Hoffnungslosigkeit, Suizidäusserungen, Verwirrung, Konsum oder totale Erschöpfung.
In den nächsten Tagen
Vereinbaren Sie einen Termin, sammeln Sie 2-3 Beobachtungen und klären Sie, wer im Umfeld mittragen kann.
Später
Nutzen Sie Materialien, Gruppen oder längerfristige Begleitung, wenn die Lage chronisch belastend bleibt.
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PUK Zürich — zentrale Anmeldung und Beratung Wenn Sie heute Orientierung brauchen und nicht wissen, welche Stelle passt 058 384 20 00 | pukzh.ch
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Hausarzt / Hausärztin Sinnvoll, wenn die Lage dringend ist, aber noch nicht nach Notfall aussieht
Wenn die betroffene Person keine Hilfe will
Das ist eine der häufigsten und zermürbendsten Situationen für Angehörige: Sie sehen, dass etwas nicht stimmt, aber die betroffene Person lehnt Hilfe ab, verharmlost die Lage oder blockt jedes Gespräch ab. Auch dann müssen Sie nicht untätig bleiben.
Für sich selbst Beratung holen
Sie brauchen keine Zustimmung der betroffenen Person, um Ihre Lage zu klären, Beobachtungen einzuordnen und den nächsten Schritt vorzubereiten.
Beobachtungen konkret halten
Benennen Sie, was Sie sehen: Schlaf, Rückzug, Konsum, Hoffnungslosigkeit, Suizidäusserungen, Gereiztheit oder abrupte Veränderungen.
Gefährdung ernst nehmen
Wenn mangelnde Kooperation mit akuter Gefahr zusammenkommt, wird aus «keine Hilfe wollen» eine Notfallsituation. Dann gilt der Akutweg oben.
Hilfe für Angehörige
Wenn Sie erschöpft, ratlos oder dauerhaft angespannt sind, dürfen Sie zuerst für sich selbst Unterstützung holen. Angehörigenhilfe ist nicht nachrangig. Sie entlastet, klärt Rollen und hilft oft auch der betroffenen Person indirekt. Das gilt auch dann, wenn noch keine akute Krise vorliegt, die betroffene Person keinen Schritt machen will oder Sie selbst merken, dass Sie härter, leerer oder hoffnungsloser werden.
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Fachstelle Angehörigenarbeit PUK Zürich Kostenlose Beratung, Angehörigengruppen, Informationsabende 058 384 20 00 | Angehörigenarbeit der PUK Zürich
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Pro Mente Sana Beratung, Informationsmaterial und rechtliche Orientierung für Angehörige 0848 800 858 | promentesana.ch
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Al-Anon (bei Alkoholproblemen im Umfeld) Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen mit Alkoholproblemen al-anon.ch
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Persönlicher Krisenplan (interaktiv) Frühwarnzeichen, Kontakte und Stufenplan vorbereiten — direkt ausfüllbar und druckbar. Krisenplan ausfüllen →
Hilfe für Betroffene
Wenn die betroffene Person bereit ist, Hilfe anzunehmen, ist ein einfacher und realistischer Einstieg meist besser als die Suche nach der perfekten Lösung. Für viele beginnt Behandlung bei Hausarzt, psychiatrischer Ambulanz oder einer Psychotherapeutin.
Für Betroffene meist in dieser Reihenfolge sinnvoll
- eine erreichbare erste Anlaufstelle wählen statt lange vergleichen
- einen Termin vereinbaren und 2-3 Beobachtungen mitnehmen
- danach erst weitere Angebote oder Spezialisierungen prüfen
Schritt 1: Hausarzt oder Hausärztin (sofort, kostenlos)
Erster Anlaufpunkt für Einschätzung, Überweisung und erste Medikation. Hausärzte können auch sofort eine psychiatrische Zuweisung machen, wenn nötig.
Schritt 2: Therapeutensuche über Portale
psychologie.ch/psyfinder — nach Kanton, Sprache, Spezialisierung filtern.
Tipp: Gleichzeitig bei 3–5 Therapeut*innen anfragen, nicht nur bei einem.
Wartelisten sind normal — nicht aufgeben
Wartezeiten von 3–6 Monaten sind in der Schweiz häufig. Lassen Sie sich auf eine Warteliste setzen und suchen Sie parallel weiter. Bis zum Therapiestart kann die psychiatrische Ambulanz oder der Hausarzt überbrücken.
Schritt 3: PUK Zürich — wenn es nicht schnell genug geht
Die PUK bietet ambulante Behandlung und psychiatrische Notfallaufnahme an. Sie können direkt anrufen — auch ohne Überweisung: 058 384 20 00. Sagen Sie: «Ich mache mir Sorgen um jemanden und brauche Beratung.»
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Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) Ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlung 058 384 20 00 | pukzh.ch
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Hausarzt / Hausärztin Erste Anlaufstelle für Einschätzung, Überweisung und medikamentöse Behandlung
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Online-Selbsthilfe: ifightdepression Evidenzbasiertes Online-Programm für leichte bis mittelschwere Depression ifightdepression.com
Speziallagen
Manche Situationen brauchen zusätzliche Aufmerksamkeit, weil mehr als die Depression allein mitspielt, weitere Personen mitbetroffen sind oder die Belastung nicht eskaliert, aber chronisch zu viel geworden ist.
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Kinder und Jugendliche im Familiensystem Wenn Kinder mitbetroffen sind oder Informationen und Entlastung brauchen kinderseele.ch | 058 384 66 66
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Sucht oder problematischer Konsum Wenn Alkohol oder andere Substanzen die Lage mitprägen, brauchen Angehörige oft eigene Unterstützung al-anon.ch
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Chronische oder wiederkehrende Verläufe Wenn sich Krisen wiederholen oder die Lage nie richtig ruhig wird, lohnt sich eine eigene längerfristige Begleitung für Angehörige — auch ohne aktuelle Eskalation Zu Selbstschutz und eigener Stabilität →
Kosten und Krankenkasse
Auch praktische Fragen zu Kosten und Krankenkasse sind wichtig. Hier finden Sie die wichtigsten Punkte für die Schweiz.
Material und weiterführende Links
Dieser Abschnitt ist bewusst nachgelagert. Wenn Sie bereits wissen, was Ihr nächster Schritt ist, können Sie hier aufhören. Die folgenden Materialien sind kuratiert: zuerst Kernmaterial, dann Krise, Gespräch/Beziehung, Selbstschutz und erst danach breitere Vertiefung.
So ist dieser Materialblock sortiert
Kernmaterial
Für Angehörige mit wenig Energie, die eine belastbare Orientierung oder ein Werkzeug brauchen.
Krise, Gespräch, Beziehung, Selbstschutz
Gezielte Materialien für eine konkrete Lage, nicht für allgemeine Sammlung.
Vertiefung
Weitere Links und Informationen, wenn die erste Orientierung bereits steht.
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Kernmaterial: Zusammenfassung für Angehörige (1 Seite) Die schnellste belastbare Orientierung: Notfallnummern, typische Lagen und erste Schritte auf einer druckbaren Seite. Zusammenfassung öffnen →
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Kernmaterial: Persönlicher Krisenplan Für Rückfälle, wiederkehrende Warnzeichen oder wenn im Ernstfall Telefonnummern und nächste Schritte griffbereit sein sollen. Krisenplan öffnen →
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Gespräch / Beziehung: Kommunikations-Infografik Wenn Sie konkrete Sprache für schwierige Gespräche brauchen oder Worte nachlesen möchten. PDF herunterladen →
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Beziehung: Ruderboot-Infografik Für Paare oder Familien, die besser verstehen wollen, wie Überengagement, Asymmetrie und gemeinsame Anpassung wirken. PDF herunterladen →
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Selbstschutz: Warnsignale der Mitgefühlserschöpfung Wenn Sie Ihre eigene Überlastung oder Verhärtung besser einordnen möchten. PDF herunterladen →
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Vertiefung: PUK Zürich Broschüren für Angehörige Kostenlos bestellbar oder als PDF herunterladbar, wenn Sie nach der ersten Orientierung weiter vertiefen möchten. Angehörigenarbeit der PUK Zürich
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Vertiefung: Schweizerische Depressionsliga Informationen, Selbsthilfegruppen und Veranstaltungen für später oder ergänzend. depressionen.ch
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Vertiefung: Podcast «Über Depression reden» Erfahrungsberichte und Expertengespräche, wenn Sie mehr Kontext möchten als eine schnelle Handlungsorientierung. depressionen.ch
Wenn Sie anrufen möchten
Viele Angehörige zögern, weil sie nicht wissen, wie sie beginnen sollen. Für den ersten Anruf genügt eine einfache, unvollständige Schilderung:
«Guten Tag. Ich bin Angehörige*r von jemandem, der an einer Depression leidet. Ich mache mir Sorgen und weiss nicht, was ich tun soll. Können Sie mir helfen?»
Das genügt für den Einstieg. Die Fachperson am Telefon führt Sie dann weiter.
Ihr nächster konkreter Schritt
- Wählen Sie genau eine passende Stelle aus diesem Modul und speichern Sie die Nummer jetzt in Ihrem Telefon.
- Wenn Sie selbst erschöpft oder blockiert sind, beginnen Sie mit Angehörigenberatung statt mit weiterer Recherche.
- Wenn die betroffene Person keine Hilfe will, holen Sie trotzdem Orientierung für sich selbst und warten Sie nicht auf den perfekten Moment.
- Wenn Kinder mitbetroffen sind oder Sucht mitspielt, nehmen Sie gezielt eine der Spezialstellen dazu.
Bis hierhin haben Sie die wichtigsten nächsten Schritte. Alles Folgende ist Vertiefung und kann warten, bis wieder etwas mehr Ruhe da ist.
Quellen zum Modul
- Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (2024). Angehörigenarbeit. www.pukzh.ch/patienten-angehoerige/informationen-fuer-angehoerige/
- Schweizerische Depressionsliga (2024). Informationen für Angehörige. depressionen.ch
- Pro Mente Sana (2024). Beratungsangebote. promentesana.ch
Optional zur Vertiefung: Wenn Sie bereits passende Hilfe gefunden haben, können Sie diesen Abschnitt überspringen.
Datenvisualisierung · Modul 7 · Bodenmann et al. (2008)Warum der Einbezug von Angehörigen hilfreich sein kann
Die Grafik fasst zusammen, warum Unterstützung durch Angehörige Behandlung und Rückfallprävention sinnvoll ergänzen kann.
Reflexion: Was nehmen Sie mit?
Denken Sie an die letzten Wochen: Haben Sie sich Unterstützung geholt — auch für sich selbst? Gibt es eine Beratungsstelle oder Anlaufstelle aus diesem Modul, die jetzt passend wirkt?
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein sinnvoller Schritt des Selbstschutzes.